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Pferdehaltung
Aus Reitsport-Wiki
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Offenstall
Eine sehr artgerechte Haltungsform ist der Offenstall. Hier leben die Pferde in der Gruppe zusammen und können sich jederzeit frei bewegen. Außerdem können sie frei wählen, ob sie sich im geschützten Stallbereich oder draußen auf dem Sandpaddock aufhalten wollen, was besonders bei sehr schlechtem Wetter oder Hitze vorteilhaft ist. Es ist empfehlenswert den Zugang zur Koppel durch ein Tor schließen zu können, weil die Pferde im Sommer sonst übermäßig viel Gras fressen würden, was gerade bei leichtfuttrigen Rassen wie Haflingern zu Übergewicht und anderen Problemen und Krankheiten führen kann. In einer Offenstallanlage sollten mehrere (Rau-)Futterquellen vorhanden sein um Konflikte innerhalb der Herde zu vermeiden. Natürlich muss außerdem für eine frostsichere Tränkelösung gesorgt werden. Allerdings kann diese Haltungsform auch sehr stressig für Pferde sein, wenn zu wenig Platz vorhanden ist und die Gruppenzusammenstellung nicht passt.
Nützliche Informationen zur Offenstallhaltung finden Sie auch bei der Laufstall Arbeitsgemeinschaft.
Weide
Eine gute Umzäunung der Koppel ist wichtig für die Sicherheit von Pferd und Mensch. Eine Möglichkeit sind Zaunpfähle mit 2-3 Reihen von Breitbandlitzen oder ein massiver Zaun aus Kunststoff- oder Holzlatten mit zusätzlichen Stromlitzen an der Innenseite.
Ein Elektrozaunsystem besteht aus vier Elementen:
- Einem Elektrozaungerät, welches Stromimpulse erzeugt.
- Drähten, die den Strom transportieren.
- Isolatoren, welche den Strom gegenüber der Erde isolieren.
- Der Erdung des Elektrozaungerätes, welches in möglichst feuchtem Erdreich so tief wie möglich platziert werden soll.
Wenn das Pferd den Draht berührt, wird ein Stromkreis geschlossen d.h. der elektrische Strom fließt durch das Tier und die Erde zurück zum Gerät. Das Tier erhält dadurch einen unangenehmen, wenngleich ungefährlichen Stromschlag und weicht zurück.
Es sind verschiedene Weidezaungeräte mit unterschiedlicher Spannung und Höhe der Impulsenergie erhältlich. Die Spannungsspitze des elektrischen Impulses eines Elektrozaungerätes wird als Hütespannung bezeichnet. Eine hohe Spannung ist notwendig, um zwischen Zaundraht und Tierkörper einen leitfähigen „Kanal“ zu erzeugen. Als Mindestspannung sind dafür etwa 2500 Volt notwendig. Für Tiere mit dickem Fell werden 4000 Volt als Mindestspannung empfohlen.
Nun kann der Strom (Impulsenergie) durch diesen „Kanal“ fließen. Die Schockwirkung ist also abhängig von der Höhe der Impulsenergie (Spannung selbst schmerzt nicht!). Je unempfindlicher das Tier ist, desto größer sollte die Energie sein, die zum Hüten oder Abschrecken eingesetzt wird. Außerdem steigt der Bedarf an Impulsenergie mit der Länge des Zaunes und seiner Belastung (z.B. Bewuchs) an. Je mehr Energie ein Gerät abgibt, desto höher ist auch sein Stromverbrauch. Eine sorgfältige Auswahl der Impulsenergie ist also vor allem bei Batterie- und Akkugeräten anzuraten.
Bei den leitenden Drähten wird unterschieden zwischen Breitband, Seil und Litze. Sie bestehen aus Polyethylenfäden für die Bruchlast durchzogen mit Edelstahl- und Kupferfäden für die Leitfähigkeit. Es gibt sie in verschiedenen Stärken und Widerständen. Um eine maximale Schockwirkung zu erzielen, ist neben einer ausreichenden Impulsenergie auch ein gut elektrisch leitendes Zaunmaterial notwendig. Nur dann erreicht die Energie das Tier auch ohne große Verluste und „verpufft“ nicht vorher. Die elektrischen Leiter (Edelstahl – bzw. verzinnte Kupferleiter) transportieren den Strom. Der Leitungswiderstand ist ein Maß für die Beurteilung von Zaunmaterial. Er wird in Ohm/Meter angegeben. Je kleiner dieser Wert desto besser leitet das Material. Je länger der Zaun, desto besser muss die Leitfähigkeit des verwendeten Materials sein. Beste Materialien haben einen Widerstand von 0,05 Ohm/m. schlechte über 4 Ohm/m.
Aktivstall
Der Aktivstall, oder auch Bewegungsstall genannt, ist eine Weiterentwicklung des Offenstallprinzips. Das Ziel ist die Haltung so gut wie möglich an die Bedürfnisse und die Lebensweise der Pferde in freier Wildbahn anzupassen.
Wie auch im Offenstall leben die Pferde zusammen in einer Herde und können sich sowohl im Stallbereich als auch auf der Freifläche frei bewegen. Die verschiedenen Fressstationen für Heu und Kraftfutter, Wasser und Liegefläche sind so weit wie möglich von einander entfernt und oft sollen auch Hindernisse wie z.B. Baumstämme oder Zäune dafür sorgen, dass die Pferde über den Tag verteilt möglichst weite Wege zurücklegen. Viel Bewegung beugt Übergewicht vor und sorgt für eine bessere Durchblutung der Gliedmaßen.
Weitere Information und Produkte finden Sie bei HIT Aktivstall.
Boxenhaltung
In der Boxenhaltung steht jedes Pferd in einer Einzelbox. Die Boxen in einem Stall sind nebeneinander angeordnet, meist in 2 Reihen mit einer Stallgasse dazwischen. Nach heutigen Erkenntnissen ist die vorgeschriebene Minimalgröße von 3x3m für eine Pferdebox keinesfalls ausreichend. Es sollten mindestens 3x4m, besser 4x4m oder mehr sein. Außerdem sollte das Pferd täglich und zu jeder Jahreszeit mehrere Stunden die Möglichkeit haben, sich draußen auf Paddock oder Weide frei zu bewegen.
Heu wird am besten vom Boden aus gefüttert oder mit Hilfe von Heunetzen. Diese dürfen allerdings nicht zu hoch angebracht werden, weil das Pferd durch die unnatürliche Fresshaltung sonst Rückenprobleme und Husten bekommen könnte. Heunetze haben den Vorteil, dass die Fressdauer verlängert wird, was sehr positiv für die Verdauung und Gesundheit des Pferdes ist. Weiterhin ist das Pferd dadurch länger beschäftigt, was das Risiko für die Entstehung von Verhaltensstörungen als Folge von Langeweile reduziert. Die Box sollte auch über ein Fenster verfügen, damit das Pferd das Geschehen draußen beobachten kann und frische Luft hat.
Außerdem muss natürlich immer genügend Wasser zur Verfügung stehen, vor allem im Sommer. Dies ist mit Hilfe einer elektrischen Tränke einfacher zu gewährleisten als mit Wassereimern. Allerdings müssen sie auch bei Frost funktionsfähig bleiben. Problematisch bei der Boxenhaltung ist, dass die Pferde meistens unzureichende Möglichkeiten des Sozialkontakts zueinander haben. Deshalb sollten sie zumindest während des Freilaufs draußen in Gruppen gehalten werden.
Fazit
Alles in allem, sollte die Pferdehaltung in Offenstall oder Aktivstall wenn möglich der reinen Boxenhaltung vorgezogen werden. Isolation, Bewegungsmangel und Langeweile entstehen schnell bei ausschließlich in der Box gehaltenen Pferden und können zu Verhaltensstörungen wie z.B. Aggression, Weben, Koppen und Boxenlaufen führen.



