Pferdefütterung

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Verdauung

Die Anatomie des Verdauungsapparates der Pferde ist durch die Evolution darauf ausgelegt, dass ständig nährstoffarme Nahrung mit hohem Rohfaseranteil aufgenommen wird. In der Natur verbringt das Pferd ca. 60% des Tages mit Fressen.

Die Haltung und Fütterung der heutigen, domestizierten Reitpferde weicht häufig stark ab von der ursprünglichen, natürlichen Lebensweise. Das kann zu gesundheitlichen Problemen wie z.B. Koliken, Magengeschwüren und Verhaltensstörungen führen.

Der Verdauungstrakt lässt sich in zwei verschiedene Bereiche einteilen:

  • Vorderer Teil (Magen und Dünndarm): enzymatische Verdauung
  • Hinterer Teil (Dickdarm und Blinddarm): Fermentation

Im Magen und Dünndarm werden leichtverdauliche Kohlenhydrate (Zucker), Fette und Proteine (Eiweiße) mit Hilfe von verschiedenen Enzymen aufgespalten und in den Blutkreislauf aufgenommen. Im Dickdarm und Blinddarm findet mittels Gärung durch Mikrobakterien die Verdauung der schwerverdaulichen Rohfasern statt.

Raufutter

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Unter Raufutter versteht man Heu, Heulage und Stroh. Raufutter besteht größtenteils aus schwerverdaulichen Rohfasern aber auch aus Eiweißen und Mineralien. Die Zusammensetzung hängt u.a. vom Schnittzeitpunkt ab. Am Häufigsten wird Heu verwendet. Stroh hat einen sehr geringen Nährwert, daher kann es gut in Kombination mit Heu zur Verfügung gestellt werden. Heulage ist Gras, das nach einer nur kurzen Trockenzeit in Plastik verpackt wurde und dadurch einen Trockenmasseanteil von 55-65% hat.

Raufutter ist der wichtigste Bestandteil der Pferdediät und deshalb muss es dem Pferd immer in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden. Das hat folgende Gründe:

Da der Pferdemagen permanent Magensäure produziert, ist es wichtig dem Pferd immer die Möglichkeit zu geben zu fressen. Andernfalls kann es schnell zur Bildung von Magengeschwüren oder zu anderen Problemen und Krankheiten kommen. Magengeschwüre entstehen dadurch, dass der pH-Wert im Magen zu stark absinkt und die Magensäure die Magenschleimhaut verletzt, meistens ist der drüsenlose Teil des Magens am Stärksten betroffen. Nimmt das Pferd regelmäßig Nahrung auf, neutralisiert der Speichel den pH-Wert im Magen. Außerdem hält genüg Raufutter die Darmtätigkeit aktiv und sorgt für eine gesunde Bakterienflora im Darm. Auch die Zähne werden gleichmäßiger abnutzt, was die Hakenbildung reduziert.

Kraftfutter

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Als Kraftfutter bezeichnet man Pferdefutter in Form von Müsli, Pellets oder reinem Getreide (meist Hafer oder Gerste). Die Hauptbestandteile sind verschiedene Gertreidesorten wie Hafer, Gerste und Weizen sowie Mais, Leinsamen, Melasse und ein Vitamin- und Mineralstoffmix. Kraftfutter ist sehr energie- und nährstoffreich. Vor allem Sportpferde im Turniersport benötigen eine zusätzliche Energiequelle zum Heu.

Ergänzungsfuttermittel

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Ergänzungsfuttermittel sollten nicht ohne Grund gefüttert werden, da es sonst zu einer schädlichen Überversorgung mit bestimmten Mineralien und Vitaminen kommen kann. Es gibt sie in Form von Pellets, Ölen, Pulver oder flüssig. Eingesetzt werden sie für verschiedene Bedürfnisse und Probleme aus den folgenden Bereichen:

  • Atemwege
  • Abwehrkräfte
  • Verdauung
  • Bewegungsapparat
  • Leistung
  • Nervenstärke
  • Mineralien und Vitamine
  • Haut und Haar
  • Hufe

Grundregeln der artgerechten Pferdefütterung

  • Ständiger Zugang zu Raufutter.
  • Es sollte grundsätzlich zuerst Raufutter gefüttert werden und erst etwa 30-60min später Kraftfutter. Der Grund ist, dass das Kraftfutter, was hauptsächlich leichtverdauliche Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße enthält, im vorderen Teil des Verdauungstraktes verdaut werden muss. Bei umgekehrter Fütterung würde das Heu das Kraftfutter zu schnell in den hinteren Teil „weiterschieben“. Wenn Zucker und Eiweiße in den Blinddarm gelangen, produzieren die Bakterien Gase bzw. Toxine, welche z.B. Hufrehe und Koliken auslösen können.
  • Bedingt durch die kleine Magengröße von nur ca. 15l Fassungsvermögen sollten immer möglichst viele kleine Kraftfutterrationen gefüttert werden. Sonst kann es zu gefährlichen Magenüberladungen kommen, da das Pferd sich nicht übergeben kann.
  • Weiterhin sollten maximal 2kg Kraftfutter pro Mahlzeit gefüttert werden, weil der Verdauungstrakt nicht dafür ausgelegt ist große Mengen an Stärke auf einmal aufzuspalten. Als Folge würde ein Teil des Kraftfutters unverdaut wieder in den hinteren Teil gelangen mit oben beschriebenen Folgen.
  • Auch abrupte Veränderungen der Futtersorte und –menge sollten vermieden werden, weil die Bakterienflora im Darm Zeit braucht sich auf Veränderungen einzustellen und es sonst zu Verdauungsstörungen und Koliken kommen kann.
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